Interview mit Herrn Dr. Igor Rakovsky
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“Mit mentaler Kraft zum Erfolg im Sport“
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Leiter Interview Person Beruf
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Alain Dedial (Head Coach TAD) Herr Dr. Igor Rakovsky Sportpsychologe, Geschäftsführer Mental Total, Mentaltrainer TAD |
1. Igor, wer bist Du und was hast Du für einen Werdegang?
Mein Werdegang ist kein klassischer. Ich kam im Juli 1982 aus der damaligen Tschechoslowakei (heute Slowakei) in die Schweiz. Sofort begann ich fleissig Deutsch und danach Französisch zu lernen, um mich in der Schweiz so schnell wie möglich optimal zu integrieren. Nach einiger Zeit begann ich heimlich von einer universitären Ausbildung zu träumen. Hätte mir damals – beim Lernen der ersten schwierigen Grundregeln Deutscher Sprache – jemand gesagt, dass ich später in dieser Sprache das Universitätsstudium bestreiten und erfolgreich abschliessen werde, hätte ich ihm dies nicht geglaubt. Dieser Traum ist für mich doch wahr geworden.
Ausbildungsweg:
Was meine Ausbildung in der Tschechoslowakei betrifft, habe ich zuerst eine Lehre als Autoelektriker und dann das Gymnasiumstudium mit Matura erfolgreich abgeschlossen. Nach dem Umzug in die Schweiz musste ich die CH-Maturität nachholen und habe dann an der Uni Fribourg das Studium der Angewandten Psychologie (mit Spezialisierung in Betriebs- und Sportpsychologie) und Wirtschaftswissenschaften (im Nebenfach) in Angriff genommen und erfolgreich mit dem Master abgeschlossen. Danach habe ich das Doktorstudium im gleichen Fachgebiet wie beim Masterstudium begonnen und nach fünf Jahren erfolgreich abgeschlossen. In der Zeit an der Universität sowohl als Doktorand wie auch als Dozent habe ich mich intensiv mit Lehr- und Lernprozessen auseinandergesetzt. Dies hat mich dazu veranlasst, das pädagogisch-didaktische Fachwissen in einem zweijährigen Postgrade an der Uni Fribourg nachzuholen.
Berufstätigkeit:
Meine gesamte Ausbildung hilft mir heute in meiner beruflichen Tätigkeit. Einerseits im Theoriebereich z.B.: als Wissenschaftler oder Lehrbeauftragter und andererseits im Praxisbereich z.B.: als Sportpsychologe und –pädagoge, Mentaltrainer, Coach, Berater oder Mentor. In meiner täglichen Arbeit im Coachings- und Trainingszentrum Mental Total wende ich sowohl mein theoretisches Wissen als auch meine praktischen Erfahrungen bei Sportlern, Trainern, Sportdelegierten, Eltern der Sportler aber auch bei Managern, Führungskräften oder Firmenmitarbeitern aus unterschiedlichen beruflichen Bereichen an.
Publikationen:
Meine Erkenntnisse und Erfahrungen aus den Bereichen Tennis und Sportpsychologie habe ich in vielen verschiedenen Artikeln vor allem in der schweizerischen Tenniszeitschrift “Smash“ und slowakischen Tenniszeitschrift “Slovenský tenis“ veröffentlicht. Zurzeit schreibe ich ein Buch, dass vor allem den Tennis-Eltern helfen soll, die psychologisch-pädagogische Seite des Entwicklungsprozesses der Tennis-Kinder und Tennis-Junioren besser zu verstehen.
Ich habe einen der schönsten Berufe die es überhaupt gibt! Jemandem in seiner Weiterentwicklung oder von seinen störenden Problemen loskommen zu helfen, bringt mir tagtäglich viel Freude und Spass!
2. Was ist Mentaltraining; braucht man es überhaupt und warum?
Über das Thema Mentaltraining haben zahlreiche Autoren viele Bücher und Zeitungsartikel geschrieben. Deshalb gibt es viele verschiede Mentaltraining-Definitionen die beschreiben, was man von Mentaltraining erwarten kann. Einige davon versuche ich im Folgenden zu vermitteln:
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a) Ganz einfach ausgedrückt: Mentaltraining hilft Sportlern im richtigen Moment Ihre bestmögliche sportliche Leistung störungsfrei abzurufen.
b) Weitere Definition: Mit Hilfe des Mentaltrainings kann man beispielsweise Probleme wie Stress oder Nervosität – vor, während oder nach der Erbringung einer Leistung – präventiv vermeiden oder nachhaltig in den Griff bekommen.
c) Etwas anders ausgedrückt: Mentaltraining hilft das Gedanken- und Gefühlsmanagement des Sportlers weiterzuentwickeln.
d) Eine pädagogische Definition: Mentaltraining erhöht massgebend die Bewusstheit im Lernprozess und macht ihn dadurch effizienter, wirksamer und erfolgreicher.
e) Weitere fachliche Definition: Während des Mentaltrainings wird an der Entwicklung von bewusster Wahrnehmung sowohl der Aussen-Welt als auch der Innen-Welt des Sportlers gearbeitet.
f) Etwas fachlichere Definition: Während des Mentaltrainings arbeitet man systematisch einerseits an der Beseitigung von mentalen Problemen wie Versagensangst, Konzentrationsschwäche, Motivationsverlust usw. Oder andererseits an der Weiterentwicklung von mentalen Kompetenzen wie Selbständigkeit beim Denken und Entscheiden, Selbstvertrauen, Selbstdisziplin, Selbstwertgefühl, optimale Bewusstheit im Lernprozess, Konzentration, Motivation usw.
g) Es ist wichtig zu betonen, dass Mentaltraining nicht nur im Sport aber auch in anderen Lebensbereichen des Sportlers hilft. In der Schule beispielsweise im Umgang mit Lernschwierigkeiten und bewussten Problemlösung. Im Alltag bei der Entwicklung der Selbständigkeit und bewussten Alltagsbewältigung. Später im Beruf im Umgang mit Leistungsdruck und bewussten Zeitmanagement.
h) Ökonomisch gesehen kostet Mentaltraining zwar – kurzfristig und absolut gesehen – zusätzliches Geld im Trainingsprozess. Andererseits hilft es aber die zukünftigen Gesamtkosten zu sparen! Vor allem, weil es den gesamten Lernprozess effizient macht. Mentaltraining bringt in das Tennis-Training z. B: Konstruktivität, Systematik, Übersicht und dadurch wird der Lernprozess schneller, kürzer, billiger und erfolgreicher! |
Die erwähnten Definitionen aber auch die tägliche Realität sagt uns: Jeder
Mensch braucht Mentaltraining falls er an der Entwicklung von eigenen mentalen
Kompetenzen optimal arbeiten möchte! Die heutige leistungsorientierte Gesellschaft
erwartet von jedem Individuum, dass es optimale Kompetenzen besitzt. D.h. alle
Menschen – ohne Ausnahmen – sind darauf angewiesen mit Hilfe von ihren eigenen
mentalen Kompetenzen ihre tagtäglichen Aufgaben zu meistern. Also nicht nur
alle Sportler, sondern auch ihre Trainer, Eltern von Sportlern, Manager,
Führungskräfte und sogar auch Psychologen.
Wichtige Fragen:
Kann das Individuum (z.B. Tennisspieler) selber an der Entwicklung eigener mentalen Kompetenzen arbeiten, oder braucht es dazu Mentaltraining? Die Antwort ist: sowohl als auch. Es gibt einerseits einfache Kompetenzen, die jeder selbst entwickeln kann. Andererseits, mit den steigenden Leistungsansprüchen, wird professionelles Mentaltraining unausweichlich. So wie dies in allen Lebensbereichen der Fall ist.
Was Neues bringt das Mentaltraining? Das Mentaltraining liefert für Sportler eine neue Perspektive in den Trainings-Prozess und zwar die mentale Perspektive. Man lernt mit Hilfe dieser neuen Sichtweise eigene Leistungsfähigkeit ganzheitlich anzuschauen. Die im langjährigen Trainingsprozess schon genug bekannte Perspektive der körperlichen Leistungsfähigkeit wird durch die Perspektive der mentalen Leistungsfähigkeit ergänzt. Diese ganzheitliche Sichtweise macht ganz klar darauf aufmerksam, dass Mensch keine Maschine ist, die auf Knopfdruck funktionieren kann und soll. Man lernt mit Hilfe des Mentaltrainings eigene Gedanken und Gefühle optimal zu kennen. Diese beeinflussen tagtäglich die gesamte Leistungsfähigkeit entweder positiv oder negativ.

Leistungskarikatur von W. Railo
Wie sieht die Entwicklung der Leistungsfähigkeit in der Praxis aus? Man muss an dieser Stelle erstmal festhalten, dass jeder Trainingsprozess ein Lernprozess ist, der seine eigenen grundsätzlichen Gesetzmässigkeiten besitzt und deshalb seine eigenen Lernelemente wie Struktur, Zeit und Raum braucht. Im Lernprozess der Entwicklung von Leistungskompetenzen funktioniert es im Tennis nicht anders. Im Tennis wird die körperliche Leistungsfähigkeit von Tennis- und Konditions-Trainer trainiert und die mentale Leistungsfähigkeit von Sportpsychologen/Mentaltrainer. Es liegt in der Natur der Sache, dass man beide Hälften der Leistungsfähigkeit gleichermassen seriös trainieren muss. Komischerweise wird diese Leistungsganzheit von vielen Sportlern konsequent ignoriert. Viele Sportler trainieren ihre mentale Leistungsfähigkeit entweder gar nicht oder nur halbherzig. Dann wundern sie sich noch, dass sie kopflos spielen und sich mit mentalen Problemen herumplagen müssen. In den Zeitungsinterviews beklagen sich solche Sportler tagtäglich über mentale Probleme, aber selber tut selten einer etwas dafür, um solche Probleme professionell zu beseitigen. Viele Sportler beginnen mit dem Mentaltraining erst dann, wenn sie schon tief im Mentalproblem drin stecken und denken, dass man mentale Probleme wie Kopfweh durch tablettenartige Rezepte oder Tipps nachhaltig beseitigen kann. Dies ist selbstverständlich ein grosser Irrtum!
Was darf man vom professionellen Mentaltraining nicht erwarten? Der gesunde Menschenverstand sagt uns, dass man von keinem Sportpsychologen/Mentaltrainer erwarten soll, dass er wie ein Zauberer mit einem Zauberstab das INNEN-Problem des Sportlers vom AUSSEN blitzschnell beseitigt. Der Sportpsychologe/Mentaltrainer ist definitiv kein Zauberer, der beispielsweise mit ganz einfachen Rezepten oder Tipps grosse Wunder im Handumdrehen bewirken kann. Leider fordern einige unzureichend informierte Klienten gerade dies. Nach dem Motto: “Die Beseitigung von mentalen Problemen oder die Weiterentwicklung von mentalen Kompetenzen soll sehr schnell durchgeführt werden, weil Mentaltraining keine zusätzlichen Kosten verursachen soll“…
Was ist gemeint beim Mentaltraining mit der Professionalität? Im Sinne der Professionalität sollte man an dieser Stelle bemerken, dass das Mentaltraining auf keinen Fall als “Feuerwehrübung“ dienen soll! Jedes Feuer – in der Form von verschleppten und dadurch brennenden mentalen Problemen – hinterlässt nämlich kleinere oder grössere Narben im mentalen Bereich die oftmals nicht mehr ohne bleibenden Spuren zu beseitigen sind… Das bedeutet, dass im Fall der “Feuerwehrübung“ die Grundlage für optimale Problemlösung nicht mehr gegeben ist. Das Mentaltraining wirkt vor allem dann effektiv und nachhaltig, wenn man es präventiv und entwicklungsorientiert einsetzt.
3. Wie alt muss man sein um Mentaltraining effektiv betreiben zu können?
Kinder beginnen die Grundschule im 6. oder 7. Lebensjahr um an ihren geistigen Fähigkeiten zu arbeiten. Vielen Menschen ist es nicht bewusst, dass das Mentaltraining auch bei Tenniskindern im Grundschulalter notwendige geistige Entwicklung verursacht! Anders gesagt, verursacht das Mentaltraining gleiche Denk- und Lernprozesse wie auch in verschiedenen Lernfächern in der Grundschule. Übrigens, auch beim Mentaltraining wird der Lernstoff dem Alter und dem Wissenstand des Spielers angepasst, so wie es in jeder Grundschule der Fall ist.

ITF-Diagramm
Wissenschaftliche Studie von ITF:
In einer wissenschaftlichen Studie von ITF aus dem Jahr 1998 hat man die Wichtigkeit des Mentaltrainings im sportlichen Entwicklungsprozess untersucht. Man hat festgestellt, dass das Mentaltraining – schon bei den jungen Tennisspielern/innen zwischen ihrem 12. und 13. Lebensjahr – als der wichtigste Trainingsbereich im gesamten Trainingsprozess zu betrachten ist. Wie es im beiliegendem Diagramm aus der ITF-Studie ersichtlich ist, steht das Training mentaler Stärke ganz klar vor dem Training der Bereichen Kondition oder Technik! D.h. ab dem etwa 12. Lebensjahr sollte man sich beim Tennistraining mit der mentalen Leistungsfähigkeit intensiv beschäftigen.
4. Gibt es verschiedene Mentaltrainings-Arten?
Wie in allen anderen Berufen (z.B. auch im Tennistrainerberuf) gibt es auch beim Mentaltraining verschiedene Methoden, Formen oder Techniken. Grundsätzlich sind alle Unterschiede beim Training mentaler Stärke entweder theoriebedingt (je nach dem welches theoretische Modell man für Mentaltraining einsetzt) oder praxisverursacht (wer diese Modelle in der Praxis benutzt). D.h. je nach dem aus welcher professionellen Perspektive man die mentalen Reserven anpacken will, gibt es verschiedene Trainingsunterschiede wie beispielsweise Modelltraining, Symboltraining, Desensibilisierungstraining, Entspannungstraining, Konzentrationstraining, Motivationstraining usw.
5. Sind Spitzentennisspieler mental betreut?
Diese Frage deutet darauf hin, dass man in der Öffentlichkeit normalerweise nicht weiss, wer von den Spitzensportlern mit Sportpsychologen/Mentaltrainer zusammenarbeitet und wer nicht. Manche Spitzensportler machen Mentaltraining sehr diskret, aber es gibt auch solche, die darüber in der Öffentlichkeit sprechen. Sicher ist, dass jeder Sportler systematische mentale Betreuung erhalten sollte. Demnach sind die Spitzensportler keine Ausnahme! Aus der schweizerischen Sportszene ist bekannt, dass beispielsweise Simon Ammann oder Ariella Kaeslin im mentalen Bereich professionell unterstützt wurden. Aus der Tennisszene wurden beispielsweise André Agassi und Pete Sampras wurden im Bollettieri-Camp vom bekannten Sportpsychologen J.E. Loehr schon seit ihrem 17. Lebensjahr systematisch betreut. Justin Henin hat die Notwendigkeit des Mentaltrainings etwas später entdeckt und mit einer Sportpsychologin/Mentaltrainerin zusammengearbeitet.

Foto mit Myriam Casanova, ihrem Vater (links) und mir (rechts)
Einige Spitzentennisspieler/innen aus dem Welttennis habe auch ich mental betreut. Beispielsweise betreute ich als Mentaltrainer die Schweizerin Myriam Casanova bei ihrer sportlichen Entwicklung (beste Klassierung WTA 40). Mit der Slowakin Dominika Cibulkova (beste Klassierung WTA 12) begannen wir mit dem Mentaltraining schon in ihrem 14. Lebensjahr. Beim Slowakischen Tennisverband bin ich einige Jahre für die mentale Betreuung von besten Nachwuchsspieler/innen verantwortlich gewesen. Aus dieser Gruppe sind einige unter die ersten 100 ATP und WTA vorgestossen.
6. Wieso bist Du die Zusammenarbeit mit der TAD eingegangen?
Mit der TAD arbeite ich erfolgreich schon seit einigen Jahren zusammen. Alain, wie Du Dich sicher daran erinnerst, haben wir uns vor einigen Jahren auf einem Anlass des Schweizerischen Tennistrainerverbandes SPTA getroffen und dort unsere Vorstellungen über die Perspektiven im Tennistraining ausgetauscht. Da unsere Meinungen in vielen Bereichen übereinstimmten, haben wir uns entschieden, eine professionelle Zusammenarbeit einzugehen. Da wir uns immer noch sehr gut verstehen und schon einige gemeinsame Trainingserfolge feiern durften, dauert diese Zusammenarbeit logischerweise bis heute an. Solange es so bleibt, darf ich mich auf nächste Erfolge bei der TAD freuen.
7. Was sind Deine bisherigen Erfahrungen bei uns?
Was ich an der TAD sehr schätze ist, dass man mit der Zeit geht und Mentaltraining in den Trainingsprozess eingebaut hat. Die Atmosphäre in der TAD ist für meine Begriffe sehr professionell, angenehm und freundlich. Die Zusammenarbeit, sowohl mit Dir und dem Trainer-Staff als auch mit den Spieler/innen, ist sehr konstruktiv und macht viel Spass. Ich habe in der TAD sehr viele schöne und interessante Momente erleben dürfen, die für meine Weiterentwicklung sehr wertvoll sind. Diese Erlebnisse möchte ich selbstverständlich nicht missen und deshalb unsere Zusammenarbeit gerne fortsetzen.
8. Was für eine Rolle kommt den Eltern der Spieler zu?
In der schweizerischen Tenniszeitschrift Smash (Nov.-Dez. 2007) habe ich einen Artikel – unter dem Titel: “Tennis-Eltern ein ärztlicher Diagnosefall“? – veröffentlicht. Als Tipp für die Eltern habe ich auf der Seite 51 folgendes geschrieben: “Die Tennis-Eltern können die Tennisentwicklung ihres Kindes entscheidend positiv oder negativ beeinflussen. Ideale Voraussetzungen zur positiven Beeinflussung im Entwicklungsprozess sind konstruktives Denken, erziehungsgerechte Verhaltensweise und viel Geduld. Da Tennis-Eltern im Normallfall weder professionelle Erzieher sind noch im Tennis-Trainer-Beruf professionelle Kompetenzen besitzen, sollten sie im Realisations-Team ihres Kindes aktiv mitwirken. Was die Erziehung und die Entwicklung von mentalen Kompetenzen betrifft, könnten Tennis-Eltern von der Zusammenarbeit mit Sportpsychologen/Mentaltrainer viel profitieren.“
9. Wird Roger Federer künftig noch weitere Major-Turniere wie Wimbledon etc. gewinnen können?
Die Erfolgsaussichten von Federer sind in der Zukunft von vielen verschiedenen Umständen abhängig. Als Sportpsychologe/Mentaltrainer kann ich dazu folgendes sagen: Federer hat in den letzten Major-Turnieren, beispielsweise gegen Djokovic (US OPEN) oder Nadal (Roland Garros) oder Tsonga (Wimbledon) verloren. Dies auch wegen einigen Unsicherheiten im mentalen Bereich. Wenn Federer in der Zukunft seine optimale mentale Leistungsfähigkeit in seinem Spiel präsentieren kann (die wir alle aus seiner erfolgreichen Vergangenheit ja sehr gut kennen), kann ihm diese sicher zu neuen Siegen bei den nächsten Major-Turnieren verhelfen. Auf jeden Fall konnten wir uns inzwischen alle überzeugen, dass Federer wieder in optimaler Form spielt. In seinem “Heimturnier“ in Basel, aber auch im Turnier Paris-Bercy und schliesslich im World Tour Finals-Turnier in London hat er sich schon in optimaler mentalen Verfassung präsentiert. Alle drei Turniere wurden von Federer überzeugend gewonnen. Damit steht dem nächsten Erfolg auf einem (nächsten) Major-Turnier nichts mehr im Wege.
10. Was wünschst Du Dir fürs Jahr 2011/2012?
Ich wünsche mir generell, dass sich Menschen bewusst werden, dass sie sich ständig in einer permanenten Weiterentwicklung befinden. Dass ihr Leben von Geburt an, aus der Entwicklung der eigenen individuellen sowohl physischen als auch psychischen und sozialen Kompetenzen besteht! Es ist egal in welchem Bereich. Ob privat, im Sport oder beruflich. Im Entwicklungsprozess von jedem Menschen kommt es sehr oft auf kleine bewusste Fortschritte an… Jeder Mensch sollte sich selbständig und selbstbewusst weiterentwickeln können. Nach dem Motto: “Was ich selbst beeinflussen kann, sollte ich auch fähig sein selber zu beeinflussen.“ Die Stagnation der eigenen Weiterentwicklung gefällt niemandem und wirkt bei den meisten Menschen entsprechend frustrierend, destruktiv und bedeutet im Normalfall einen Rückschritt als logische Konsequenz!
Weiter wünsche ich mir, dass meine heutigen und künftigen Klienten sich bei der
Problemlösung oder bei ihrer Weiterentwicklung mit Hilfe des Mentaltrainings
mehr Geduld schenken würden. In der Psychologie arbeitet man mit komplexen und
unsichtbaren Sachverhalten. Man sollte auf keinen Fall von einem
Sportpsychologen/Mentaltrainer erwarten, dass er im Handumdrehen komplexe
psychologische Sachverhalte auf der Stelle allgemeinverständlich machen kann.
D.h. Man sollte keine ganz einfachen Antworten auf komplexe Fragestellungen
erwarten. Alle Beteiligten am Mentaltraining sollten dem Sportpsychologen/Mentaltrainer
trotz der psychologischen Komplexität – oder gerade deswegen – ein gewisses
Grundvertrauen für seine Arbeit schenken. Vor allem am Anfang der
Zusammenarbeit brauchen alle Beteiligten am Mentaltraining viel Ruhe und
Verständnis.
Zum Schluss möchte ich allen Lesern vor allem viel Gesundheit für das Neue Jahr
2012 wünschen. Die Gesundheit ist nämlich die unverzichtbare Grundlage für alle
Arten der Weiterentwicklung. Selbst bei kleinen Gesundheitsproblemen, kann die
Entwicklung der eigenen Kompetenzen in vielen Fällen plötzlich erschwert oder
gar unmöglich erscheinen.
Dr. Igor Rakovsky
Rue de Morat 9
1700 Fribourg
076/505 98 19
rakovsky@gmx.net













